Blog: ADHS bei Erwachsenen, das Besondere bei Frauen

Wie werden Frauen mit ADHS/ADS beschrieben?

Chaotisch, verplant, verpeilt, verträumt, tollpatschig, sprunghaft, redselig oder einfach nur schusslig – das sind einige Eigenschaften, wie Frauen mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) wahrgenommen werden, so sagt man es. Mal wieder einen Termin verpasst? Oder die Schlüssel liegen lassen? Das gelebte und kreative Chaos, die zehn Gedanken auf einmal? Oder die Angewohnheit nicht Nein sagen zu können?

Scherbenprinzessin

Warum sind Scherbenprinzessinen oder Chaosmütter etwas anders? Ja richtig, sie haben eine „Reizfilterschwäche“! Dieses Wort erinnert eher an ein ausgedientes Ersatzteil von einem Automotor, das ersetzt werden sollte. Let’s fix it und dann läuft es wieder! Und genau das geht eben nicht. ADHS und ADS geht auf neurobiologische Ursachen zurück, die nicht zu reparieren sind. Dabei sind die sogenannten „exekutive Funktionen“ betroffen. Das sind Kompetenzen, die z.B. im Berufsleben, in der Bewältigung des Haushalts oder der Kindererziehung gefordert werden. Es können zum Beispiel Probleme in der Strukturierung von Aufgaben oder im Zeitmanagement auftauchen. ADHS kann sich im Verlauf der Lebensspanne verändern oder komplett unauffällig werden. Aber dazu in meinen späteren Beiträgen.

Reizend schön!

Nun nochmal zurück zur „Reizfilterschwäche“. Frauen mit ADHS nehmen Reize ungefiltert auf, so die Erklärung. So ganz trifft diese Beschreibung aber nicht zu, sondern es handelt sich eher um ein Ich-krieg-es-gerade-nicht-geregelt-Problem. Das ist am folgendem Beispiel sofort nachvollziehbar: der Besuch beim schwedischen Möbelhersteller (wir können auch die Shopping-App nehmen, die immer zu Freudenschreien führt). Richtig, jetzt weiß Jede hier, worum es geht. Stell dir vor, eine Frau mit ADHS plant in dieses besagte Möbelhaus zu gehen und macht sich vorbildlich eine Liste. Noch besser, sie ist überzeugt, dass sie sich das alles merken kann und macht sich auf den Weg. Im Geschäft wird sie durch die hübsch hergerichtete Ausstellung geschleust. Klar, es ist natürlich Samstag und es staut sich in den Gängen und zunehmend wird diese Frau abgelenkter, findet viele schöne Möbel, Aufbewahrungslösungen, Deko, Kerzen, Bilder u.v.m. so interessant, dass diese Dinge unbedingt mit müssen. Mit vollgepacktem Wagen an der Kasse ist sie recht erstaunt und auch ein bisschen stolz, dass sie so viel Gutes gefunden hat. Erst am Auto fällt ihr heiß ein, was sie eigentlich kaufen wollte. Dieses Beispiel kannst du auch auf Chaosmütter beziehen, die mit schnullerndem Baby und bockigem 3-Jährigen in den Laden rennen und alles einpackt, was sie für schön und nützlich empfindet (dabei dürfen wir nicht vergessen, dass neben Mama auch die Kinder den Wagen vollpacken!).

Das Du-kannst-es-hier-aber-nicht-dort-Problem

Interessanterweise gibt es viele andere Bereiche, in denen Frauen mit ADHS viele Dinge extrem gut hinbekommen, wenn sie so richtig dafür brennen. Das kann z.B. der Traumberuf, der Lieblingssport oder die künstlerische Begeisterung sein. Warum ist diese Frau manchmal so zielstrebig und manchmal so chaotisch? Es handelt sich hier weniger um eine Willensfrage. Diese Schwankungen sind vielmehr auf neurochemische Ursachen zurückzuführen und laufen unbewusst, also komplett automatisch, ab.

Kurz über ein paar Fakten

Die Häufigkeit von ADHS im Erwachsenenalter liegt bei Männern bei ca. 5% und bei Frauen bei ungefähr 3%. Obwohl Männer häufiger mit ADHS diagnostiziert werden, nimmt man bei Frauen an, dass die Zahl ähnlich hoch liegt. Oft werden Frauen gar nicht erkannt und demnach auch weniger diagnostiziert. Das hängt damit zusammen, dass Frauen nicht die „typischen“ Symptome wie ausgeprägte Hyperaktivität und Impulsivität zeigen, die in den festgelegten diagnostischen Kriterien zu finden sind (die heißen außerdem DSM-5 oder ICD-10). Oft werden ADHS-Symptome als Depression oder Angststörung gedeutet, aber eine zusätzlich existierende ADHS nicht erkannt. Man nimmt auch an, dass Frauen mit ADHS über die Lebensspanne bessere Bewältigungsstrategien entwickeln als Männer. Ebenso „maskieren“ Frauen dadurch die typischen Symptome und wirken öfter angepasst und unauffällig.

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Inhalt über meinen Blog über Frauen und Erwachsene mit ADHS

Dieser Blog soll dich über vielfältige Themen rund um Frauen und ADHS informieren. Gerade, weil dieses Thema noch recht jung ist, verstehe ich auch dieses Forum als Erfahrungsaustausch. Es soll zum zuhören, schreiben, teilen und mitreden einladen. Meine Beiträge richten sich an Interessierte, Betroffene und Professionelle und sie werden einfach und überschaubar geschrieben, auch mit Beispielen, die aus dem Alltag stammen. Gerade im deutschsprachigen Raum ist die Literatur recht übersichtlich. In meinen Beiträgen werde ich auf Artikel, Bücher und Videos, die ich während meiner Recherche kennengelernt habe verweisen. Das Thema „Hilfe“ binde ich in vielen meiner Beiträge ein. Und das sind die Themenblöcke.

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Zu guter letzt noch kurz zu mir: ich bin psychologische Onlineberaterin mit Schwerpunkt ADHS bei Erwachsenen, die eine Vorliebe für viel Kreativität hat. Co-Therapeutin Twix, eine Australian-Shepered-Hündin, ist gerne während meiner Beratungen unter dem Tisch dösend anwesend. Hier gibt es mehr über mich.

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