Was haben Newton, remote work und Kreativität gemeinsam?

Selten habe ich über so viele kreative Impulse von meinen Klienten gehört wie im Moment. Viele neue Ideen über den Beruf, das Studium oder einfach den eigenen Lebensweg bekommen durch die gewonne Corona-Zeit ihren Platz in unseren Gedanken. Diese neuen Ideen können reflektiert oder sogar ganz konkret umgesetzt zu werden. Beispielsweise werden neue Onlinegeschäfte entwickelt oder gerade die Entschleunigung gibt Hinweise, den eigenen psychischen Stress im Beruf etwas herunterzuschrauben.

Was erfährst du in diesem Beitrag?

In meinem letzten Beitrag habe ich über psychischen Stress während der Coronakrise geschrieben. In diesem Beitrag hier möchte ich über die positiven Seiten der Ungewissheit, der Umbrüche, der Veränderungen oder des temporären Stillstandes berichten. Welche Impulse gibt uns die aktuelle Zeit, um mit dem eigenen Leben kreativer umzugehen? Dazu möchte ich einen Blick in die Vergangenheit wagen, denn Ausgangssperren sind zur Eindämmung von Krankheiten ein uraltes Phänomen. Wie sind damals die Menschen mit der Isolation umgegangen? Am Beispiel von Isaac Newton möchte ich einen prominenten „remote worker“, Quarantäneprofi und kreativen Geist vorstellen, von dem wir jetzt sehr viel lernen können.

Damals wie heute?

Schaut man in die Geschichtsbücher, ist „social distancing“ ein uraltes Phänomen, um ausbreitende Krankheiten einzudämmen. Zum Beispiel: bereits im 14. Jahrhundert verweigerte man Lepraerkrankten aus Angst vor Ansteckung den Zugang in die Stadt. Tore wurden dicht gemacht, die Kranken wurden ihrem eigenen Schicksal überlassen. Qualvoll. Ein sog. „Lazaruskleid“, dass man als Kranker tragen musste, stigmatisierten zudem die Leidenden. Nicht verwunderlich ist es, dass heute noch in Italien oder Frankreich auf Vorstädtenamen „Saint Lazare“ oder „San Lazarro“ an diese Zeit erinnert wird. Interessanterweise waren es gerade die Kreuzzüge, die den Peak der Krankheit brachten und bessere Hygienevorschriften später diese Erkrankung komplett verschwinden ließ.

Die ab 1918 noch unbekannte „Spanische Grippe“ breitete sich rasant in drei Wellen über mehrere Jahre durch die zunehmende Mobilität aus. Allein in dieser Zeit starben zwischen 27 bis 50 Millionen Menschen weltweit, mehr als die gesamten Opfer des ersten Weltkrieges. Der einzige Weg, um diese unsichtbare Bedrohung unter Kontrolle zu bekommen, sah man in der Quarantäne.  Schulen wurden geschlossen, die Mobilität eingeschränkt und größere Versammlungen verboten. Mit Erfolg.

Eine Isolation kann auch Wunder bewirken.

Eine Quarantäne bedeutet nicht nur, dass größeres psychisches Leid entstehen muss. Auch das Gegenteil kann der Fall sein. Ein angeordneter Rückzug kann auch eine Möglichkeit bieten, kreative Kräfte zu entfalten und sich auf eine neue Ideenreise aufzumachen. Schauen wir auf den damals 24-jährigen Isaac Newton in England, der im Jahr 1665 aufgrund der Quarantäneauflagen wegen der wütenden Pest, den Campus des Trinity Colleges verlassen musste. Etwa 100.000 Menschen mussten in England wegen der Pest ihr Leben lassen. So zog er in sein Elternhaus. Er ist einer der ersten bekannten Persönlichkeiten, die damals schon „remote work“ leisten mussten. Klar, damals gab es keine Socialmedia, Instagram oder Snapchat und Newton war nur auf sich selbst gestellt. So studierte er einfach im Homeoffice weiter. Zunächst verfolgte er mathematische Probleme, die er begonnen hatte an der Universität zu lösen. Doch irgendwann waren auch diese Aufgaben erschöpft. Was sollte er dann machen?

Nun, dann begann Newton einfach sich selber mathematische Probleme zu stellen. Wo kein Professor in der Nähe ist, soll nun die eigene Neugier ihn leiten. Das sah für Newton zum Beispiel so aus: er experimentierte mit Prismen in seinem Schlafzimmer oder er bohrte ein kleines Loch in seinen Fensterladen, um den Lichteinfall zu erforschen. Der Blick aus seinem Fenster war direkt auf einen Apfelbaum gerichtet. Und ja, es war der Apfelbaum, der ihn dazu inspirierte, die Theorien der Gravität und Bewegung zu verstehen. Newton als einer der ersten bekannten remote worker entwickelte all seine impulsgebenden Ideen in Isolation. Es waren die Dinge, die ihn im Alltag umgaben und neugierig machten. So kehrte er 1667 nach langer Isolation mit einer der wichtigsten Theorien der Weltgeschichte im Gepäck zurück zur Universität. Zwei Jahre später war er Professor. Mehr darüber könnt ihr in der Washington Post lesen.

In Tagträumen können wir der Kreativität freien Lauf lassen (Bild, Pexels)

Ein How-To Plan für gesunde Kreativität.

Ja, den gibt es! Egal ob du kreativ hoch- oder tiefbegabt bist, vom alten Newton kann man einiges lernen. Hier findest du die wichtigsten fünf Punkte für einen freieren Kopf.  

Als erstes kommt die von mir bereits empfohlene Smartphone-Diät: vermeide dich unbegrenzt in sozialen Medien aufzuhalten, gerade dann, wenn die Inhalte dich eher runterziehen. Entfolge Gruppen, die dir eher negativen Input geben und weniger hilfreich sind. Schaffe Aktivitäten ohne Smartphone, schalte dein Telefon auf lautlos und lege es ganz weit aus deiner Reichweite weg. Beantworte deine Nachrichten nicht immer sofort. Sie können warten. Nimm dir bestimmte Zeiten am Tag vor, an denen zu Nachrichten beantworten kannst. Und, du musst nicht alles beantworten.

Halte dich körperlich fit: Auch das ist keine neue Erfindung, sondern ein uraltes Rezept. Ein gesunder Geist braucht einen gesunden Körper. Das bedeutet, bewege dich, egal ob es dir schwerfällt dich dafür aufzuraffen, versuche es täglich so viel es möglich ist. Mach bei Workout-Videos mit, gehe Joggen, Spazieren oder mache Yoga. Während der Bewegung werden auch unsere Gedanken neuronal befeuert. Viele neue Ideen und Impulse der Veränderungen entstehen unter der Bewegung. Das hat beispielsweise auch schon die Walking-Therapy für sich erkannt und setzt Bewegung gezielt für ein besseres Wohlbefinden ein. 

Nix-Tun und beobachten: Hast du schonmal irgendwo rumgesessen, in die Luft oder Ferne geschaut und nix getan? Also wirklich nix, du warst mit dir allein, dein Telefon war natürlich leise?  Nach erster Langweile (und ja sie ist hier erlaubt) kommen die Gedanken und neue Ideen. Manchmal hilft es, sich in einen Tagtraum abzukapseln, durch eine Landschaft, an einem Strand oder entlang eines Waldes zu laufen. Manchmal inspiriert es, Musik dazu zu hörenund die Augen dabei zu schließen. Erzähle eine Geschichte zu dieser Musik, höre immer die gleiche Musik. Probiere es mal aus. Wenn du es weniger kennst, dann starte mit 5- 10 Minuten mal Nix-Tun.

Sich langweilen ist eine Grundvoraussetzung, um wieder produktiv bzw. kreativ zu werden. Unser Gehirn braucht eine Pause der ständig neuronalen Befeuerung, um eine Überstimulation der ununterbrochenen Informationsverarbeitung zu unterbinden. Versuche gerade die kleinen alltäglichen Pausen und Wartezeiten mit Nix-Tun zu nutzen, in denen normalerweise mal schnell der Griff zum Telefon gemacht werden kann. Im Beitrag von Steph Yin kannst du noch mehr darüber nachlesen.

Dein/e beste/r Zuhörer*in, das Buch: leere Bücher sind geduldig und beurteilen dich nicht. Schreibe, skizziere oder male deine Gedanken. Nichts darf dir peinlich sein. Es bleibt im Buch und kann als Geheimnis bewahrt werden. Male deine Tagträume und lerne die Kraft dieser Bilder kennen. 

Halt durch Freunde: auch wenn du dich mal zurückziehst, halte immer Kontakt zu deinen wichtigsten Freunden. Teile mit Ihnen Ideen, tausche dich aus. Erzählt euch viele lustige Geschichten. Humor kann immer helfen und geben mehr Leichtigkeit. Verabrede dich online. Telefoniere. Schreibe. 

Manchmal hilft es in Situationen, in denen du das Gefühl hast, richtig festzustecken, dass eine professionelle Begleitung mehr Halt geben kann. Ein angeleiteter Tagtraum gibt dir z.B. eine Möglichkeit aus der Gedankenspirale herauszukommen und neue Kraft zu tanken. Kontaktiere mich, falls du mehr wissen möchtest, auch für ein kostenfreies Kennenlernen: info@sorina-borggrefe.com. Ich freue mich!

Wenn nicht nur Corona ansteckend ist, sondern auch die Angst

Alles nicht so schlimm!

„Diese Angst ist völlig übertrieben!“ oder „Mich steckt diese Panikmache nicht an!“, das höre ich von einigen meiner Klienten, die über die vielen und wechselnden Corona-Nachrichten einen Abstand gewinnen möchten.
Manche Menschen hingegen reagieren mit intensiver Recherche über den Coronavirus, versuchen sich diese Pandemie sachlich zu erklären. Zahlen, Daten, Statistiken und Aussagen von Experten geben hier Sicherheit.

Andere wiederum halten durch die Hoffnung auf neue Chancen und Möglichkeiten im Leben der gegenwärtigen Angst entgegen. Das bedeutet vor allem runterfahren durch Entschleunigung, Zeit für Familie und für sich selber. Erfahren, was man wirklich braucht. Der Umweltschutz, schwimmende Delfine im Hafenbecken und die noch nie dagewesene Stille. Natur ist hörbar, Vögel singen und Nächte können beruhigend still sein.

Schließlich gibt die Schaffung eines sicheren Ortes in der eigenen Wohnung ein Gefühl des Geborgenseins. Einige von uns halten sich beschäftigt durch die bestmögliche Vorbereitung auf den Krisenhöhepunkt durch Horten von Zwei-Wochen-Reserven. Der Anschaffung der schon längst ersehnten großen Gefriertruhe steht nun nichts mehr im Wege. Auch das Internet im eigenen Wohnraum gibt einen virtuellen Schutzraum, um sich vor der veränderten Welt abzuschirmen oder sich Rat zu suchen.

Manche Menschen solidarisieren sich, um besonders hilfsbedürftigen Menschen Unterstützung zu geben. Sie gehen einkaufen, erledigen wichtige Aufgaben im Alltag oder hören Anderen einfach nur zu. Auch die Belebung von alten oder neuen Freundschaften über Internet, der Austausch innerhalb Interessensgruppen oder Kollegen oder auch die neue Enge zur Familie gibt uns Sicherheit. Wir bleiben proaktiv und bleiben nicht in Gedankenschleifen stecken.

Kurzum, es liegt wohl in unserer Natur in solch einer Zeit mit ängstlichen Gefühlen unterschiedlich und auch vielschichtig umzugehen. Wir schaffen es mit Glaubenssätzen, positiven inneren Einstellungen, der Schaffung eines Schutzraumes, der Solidarität, Freundschaft oder intellektuellen Bewältigungsstrategien unsere Angst vor einer tiefgreifenden Veränderung, vor dem Verlust von Beruf, Existenz oder eines geliebten Menschen zu verdrängen.

Angst – sie kann ansteckend sein.

Doch was passiert, wenn diese Bewältigungsstrategien nicht mehr standhalten? Wenn die Sorgen um die Ungewissheit in Angst und Stress umschlagen. Was bedeutet es, wenn sich z.B. die Angst trotz intensiver Recherche im Internet verstärkt und soziale Medien und Nachrichten ein Echoraum der eigenen Sorgen und Befürchtungen werden. Was passiert, wenn die Sorgen und Ängste der eigenen Freunde plötzlich ansteckend werden oder Schweiß und Zittern bei dem Verlassen des eigens gebauten Schutzraumes auftauchen. Oder, positive Glaubenssätze schlagen in negative Gedankenspiralen um. Was ist, wenn die Ängste wirklich ansteckend werden und den Alltag bestimmen. Kontakte mit Menschen werden vermieden. Hohe Hygienemaßnahmen bestimmen das tägliche Leben.

Einige Fakten über COVID-19 und psychischen Stress

Auch einige Studien aus China während COVID-19 zeigen, wie hoch die psychische Belastungen während der Quarantäne waren.

In einer Umfrage in China über psychischen Stress während der COVID-19-Isolation berichteten 35% der Befragten über eine psychische Belastung. In einer anderen Studie gaben die Befragten Depressionen (48%), Angst (23%) und Angst und Depressionen gemischt (19%) an. Frauen litten hierbei mehr an psychischen Stress. Interessanterweise fühlten sich die Jugendlichen in der akuten Krise weniger belastet. Es bleibt jedoch offen, welche sekundären Probleme als Folge nach der Quarantäne entstehen können. Die Gruppe, die sich am höchsten belastet fühlte, waren junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren. Vermutlich ist es diese Gruppe besonders anfällig, da sie mehr soziale Medien verwendet als andere Altersgruppen. In einer anderen Studie über COVID-19 und soziale Mediennutzung gibt es Hinweise, dass bei Angstsymptomen und bei Angst und Depressionen gemischt ein Zusammenhang mit intensiver Mediennutzung besteht.

Gibt es ein geeignetes Gegenmittel?

Was kann man gegen die Angst vor dem Corona-Virus und den damit verbundenen Veränderungen tun? Insgesamt ist es schwer vorauszusagen, wie sich unser Leben entwickeln wird. Vielleicht erwarten uns nur kleine Veränderungen oder wir stehen vor einem größeren Wandel. In erster Linie geht es in diesen Zeiten darum, gut auf sich selber aufzupassen und sich gesund zu halten. Neben der körperlichen Gesundheit ist auch unsere psychische Gesundheit gleichermaßen ernst zu nehmen. Nun, wie geht das sich selber gesund halten? Vereinfacht gesagt, wir benötigen Inseln der Erholung vor Stressoren. Wir müssen von auslösenden intensiven Gefühlen, wie Angst oder Sorgen eine Pause machen. Gerade jetzt gilt es den negativen Gedanken oder der Schlaflosigkeit den Nährboden zu entziehen. Hier sind dein paar Impulse für ein besseres Wohlbefinden.

  • Das Wichtigste zuerst: Mach dir einen Plan! Um Stressoren entgegenzuwirken, gib deinem Tag eine Struktur. Neben Homeofficezeiten, nimm dir Zeit für das, was dir gut tut. Plane den Tag so, als ob du Termine einhalten müsstest. Beginne den Morgen zur gleichen Zeit, fange nach dem Frühstück mit einer leichten Bewegung an, z.B. Streching, leichtes Workout, Spaziergang. Nehme dir am Vormittag gezielt Zeit für ein Telefonat, Sozialkontakte, private E-Mails,… Plane deine Essenszeiten. Schreibe dir Wochenziele auf. Was möchtest du diese Woche erreichen? Ist es mal einen Schrank zu entrümpeln, eine neue Sprache zu lernen oder sich sozial zu engagieren?
  • Smartphone-Diät: das Internet kann ein Echoraum der eigenen Ängste und Gefühle werden und Befürchtungen verstärken. Gib dir eine Auszeit, schalten das Internet für eine bestimmte Zeit am Tag ab oder lege dein Smartphone weg. Schalte Push-Nachrichten aus und den Messenger auf stumm! Nimm dir bewußt etwas vor, was nicht mit Medien zu tun hat. Lesen, kreativ werden, schreiben, Brettspiele, etwas Neues lernen. Sprich mit Freunden und Familie darüber, was man in medienfreien Zeiten machen kann, auch wenn man viel zu Hause ist.
  • Freunde, Familie, Partner/in: teile deine Freuden und Sorgen. Bleibe im Kontakt und „verabrede“ dich zum Telefonat oder Videocall. Auch in Gruppen könnt ihr euch treffen, z.B. für ein gemeinsames Essen. Falls du merkst, du ziehst dich zu sehr zurück, bereite deine Freunde und Familie darauf vor, dass sie mal über Telefon oder Video „nach dir schauen“.
  • Bleibe fit und entspanne dich: bewege dich, sei es du machst Workouts, Zumba, Yoga über YouTube, probierst eine Fitness-App aus, Joggen, Nordic Walking, Marathon auf Balkon laufen und vieles mehr. Zur Entspannung versuche Yoga, Meditation, Phantasiereisen oder Autogenes Training. Es gibt hierfür viele Apps und Podcasts. Hast du schonmal 8D Entspannungmusik auf YouTube ausprobiert?
  • Etwas Neues lernen: Gerade jetzt erlebt Bildung und Kultur einen enormen digitalen Anschub. Vieles ist online frei verfügbar! Probiere es aus.

Falls du merkst, viele Tipps versagen und deine Angst wächst weiter, dann solltest du über professionelle Hilfe, Selbsthilfegruppen oder Hilfetelefon nachdenken. Ein Gespräch mit einem Experten kann dir eine erste Hilfe sein. Wenn du mehr erfahren möchtest, dann klicke hier. Ein kostenfreies Gespräch kann dir helfen, ob es das Richtige ist.