Pipi Langstrumpf, ADHS bei Frauen und Mädchen

Pipi Langstrumpf wird heute 75 Jahre alt. Seit Generationen ist sie ein Vorbild für Mädchen und prägt das Leben nachhaltig vieler Frauen. Frech, ungebändigt, mutig, selbstbewusst, abenteuerlustig, hilfsbereit, mitfühlend, begeisterungsfähig, kreativ, fantasievoll und verträumt lebt sie in ihrer Villa Kunterbunt. Sie ist Schulverweigerin und „tut was ihr gefällt“, lebt, lernt und vermittelt wohl eines der wichtigsten Wünsche vieler Frauen und Mädchen: mache deine eigenen Regeln und denke dabei immer an deine Freunde. Pipi zeigt Mut, sich gegen Autoritäten aufzulehnen, hat ein großen Sinn für Gerechtigkeit und ist immer kontaktfreudig und liebend.

Tommy und Annika: „Der Sturm wird immer stärker!“ Pippi: „Macht nichts. Ich auch.“

Pipi Langstrumpf ist vielleicht eine der bekanntesten Mädchen mit ADHS. Sie ist unorganisiert, tagträumerisch, abgelenkt und verspielt. Und, Schule macht ihr weniger Spaß, so dass sie sie lieber gleich zu Hause bleibt. Ihre Schule ist das Leben. All ihre Eigenschaften können als ADHS Symptome beschrieben werden, die bei Mädchen zu finden sind. Astrid Lindgren lässt Pipi jedoch nicht in ihrem Chaos versinken oder sieht gar ihr Leben als gescheitert an. Sondern Lindgren verzaubert Pipis eher ausweglose Situation in eine Welt voller Ideen, Ideale, Mitgefühl und Kreativität. Pipis eher unangepassten Eigenschaften verwandelt Lindgren in eine Quelle unerschöpflicher Ideen. Pipis Bewältigungsstrategien (sog. „coping mechanism“) werden den jungen Leserinnen in einer tief berührenden Art vermittelt. Pipis Abenteuer laden zum Träumen ein und sie lässt den Alltag vieler junger Leserinnen bunt, verspielt und hoffnungsvoll erscheinen. Und noch mehr, Pipi macht Mut, sich weniger an die äußeren Erwartungen anzupassen und eigene Wünsche und Impulse zu „maskieren“, sondern sie zeigt immer wieder, dass jedes Mädchen auf diese wunderbaren Charaktereigenschaften stolz sein darf.

„Wunderbar! Bezaubernd!“ „Was findest du so bezaubernd?“, fragte Tommy. „Mich“, sagte Pippi zufrieden.

Die verspielte und sorglose Pipi sollte für viele Mädchen ein Vorbild selbstbewusster und weiblicher Bewältigungsmechanismen sein. Pipi ist wie sie ist und sie ist stolz darauf. Pipi rebelliert liebevoll, frech und klug gegen weibliche und erwünschte Kompenstationsversuche „Bloß-nicht-aufzufallen“. Sie stellt ihr anderes und buntes Leben den weiblichen Perfektionsismus, übertourten Ehrgeiz und der weiblichen Überangepasstheit entgegen. Ein Mädchen muss nicht immer nur ein gutes Mädchen sein und Erwartungen erfüllen. Nein, ein Mädchen darf so sein wie es ist. Pipi ist nach wie vor eines der wichtigsten Vorbilder für selbstbewusste Mädchen mit und ohne ADHS.

Herzlichen Glückwunsch Pipi! Schön, dass es dich gibt!

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Zu guter letzt noch kurz über mich: ich bin psychologische Onlineberaterin mit Schwerpunkt ADHS bei Erwachsenen, die eine Vorliebe für viel Kreativität hat. Co-Therapeutin Twix, eine Australian-Shepered-Hündin, ist gerne während meiner Beratungen unter dem Tisch dösend anwesend. Hier gibt es mehr über mich.